Das Buch von allen Dingen

buch von allen dingen

„Was willst du eigentlich später mal werden?“
„Glücklich“, sagte Thomas. „Ich werde später glücklich.“

Bei dem für dieses Projekt ausgewählten Buch „Das Buch von allen Dingen“ handelt es sich um ein Kinder- und Jugendbuch (ab 10 Jahre) des holländischen Autors Guus Kuijer. Durch die im Buch angesprochenen Themen (Gewalt in der Familie, christlicher Fundamentalismus, Zivilcourage, Glück, Freiheit) und die Art ihrer Erörterung spricht es aber auch Erwachsene an.

In der Einleitung erzählt der Schriftsteller, er habe eigentlich ein ganz anderes Buch schreiben wollen: Das Buch seiner glücklichen Kindheit. Dann habe er Besuch von Herrn (Thomas) Klopper bekommen, der ihm ein Schulheft mit Aufzeichnungen überreicht habe. Es sind Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, die er als Kind mit 9 Jahren verfasst hat. Er hat sie „Das Buch von allen Dingen“ genannt.
Als sein Lebensziel formuliert er, dass er „glücklich werden“ möchte.  

In den Gesprächen, zu denen er sich mit dem Autor nun verabredet und aus denen das Buch entsteht, schildert er die familiäre Situation, in der er aufgewachsen ist: Mit seinen Eltern und seiner sieben Jahre älteren Schwester lebt Thomas in Amsterdam. Der Vater, der von einem biblizistisch geprägten niederländisch-reformierten Glauben durchdrungen ist, tyrannisiert damit die Familie. Thomas wird schon verprügelt, wenn er ein Gebet falsch gesprochen hat. Noch schlimmer trifft es ihn, dass der Vater auch die Mutter schlägt, wenn diese Thomas schützen will. Aus dieser Situation scheint es für Thomas zunächst keinen Ausweg zu geben, denn weder die Mutter noch die ältere Schwester können der Gewalt des Vaters etwas entgegensetzen.
Thomas schafft sich eine eigene Welt. Er macht sich viele Gedanken und sieht Dinge, die andere nicht sehen können. Während die religiöse Welt seines Vaters geprägt ist vom strafenden Gott, als dessen Vollstrecker sich der Vater in der Erziehung seiner Kinder sieht, begegnet Thomas in seiner eigenen Welt einem liebenden Gott in der Gestalt Jesu, der mit ihm spricht und ihm sagt, dass er ihn über alles liebt. In seiner inneren Welt sieht Thomas auch tropische Fische, die durch Grachten schwimmen. Vor der Haustür sitzt eines Nachts eine Gruppe Frösche. Thomas erzählt von seinen Gefühlen für das behinderte Mädchen Elisa.
So schafft sich Thomas ein inneres Gegengewicht gegen seine unglückliche Lebenssituation. Ausgerechnet Frau Armersfoort, eine ältere Frau aus der Nachbarschaft, die von den Kindern als Hexe gefürchtet wird, kommt ihm eines Tages zu Hilfe. Als sie ihn vor einem bissigen Hund beschützt, trägt er ihr als Dank die Einkaufstasche nach Hause.

Sie unterhalten sich über Musik und Literatur. Durch Frau Armersfoort lernt Thomas eine andere Weltsicht als die seines strenggläubigen Vaters kennen. Sie gibt ihm das Buch „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, das Parallelen zum „Buch von allen Dingen“ enthält. Der Vater erfährt von Thomas’ Kontakt zu Frau Armersfoort, die für ihn eine Kommunistin ist. Er verbietet Thomas den Umgang mit ihr. Dieser setzt sich aber über das Verbot hinweg. Die alte Dame weiß um die familiäre Situation, in der Thomas lebt und will sie nicht hinnehmen. Eines Tages findet Thomas einen Brief, der nur einen Satz enthält: „Ein Mann, der seine Frau schlägt, entehrt sich selbst.“ Aus Angst vor seinem Vater verbirgt Thomas den Brief. Erst als die Situation in der Familie eskaliert, vertraut er sich seiner Schwester an. Die Schwester, die von Thomas zunächst für „dumm“ gehalten wurde, ist es, die als erste die Initiative ergreift und die Auseinandersetzung mit ihrem Vater wagt.
Der vermeintlich übermächtige Mann erweist sich am Ende als ein äußerst schwacher Mensch.

Für Thomas ist Glück nun nicht mehr nur etwas, was er in seiner inneren Welt erleben kann, sondern es nimmt reale Gestalt an, so dass er als erwachsener Mann auf die Frage des Autors, „Bist du glücklich geworden, Thomas?“ „Ja“ sagen kann.